Weltenbummler
von Magi und Jimmy
 
Hallo,

Dies wird unser erster Reisebericht von unserer Weltreise, welche uns ein
Jahr lang durch Laender in Afrika, Suedamerika und Kanada/Alaska fuehren wird. Nach einem Flug via Tel Aviv sind wir in Johannesburg gelandet und haben umgehend die Reise mit oeffentlichen Verkehrsmitteln nach Gaborone (Botswana) angetreten. Anschliessend sind wir mit dem Bus durch den suedlichen Teil
der Kalahari gefahren (Kang, Ghanzi, Maun). Maun ist der Ausgangspunkt fuerdas Okavango Delta.

Das Okavango Delta entsteht durch das versickern des Okavango-Flusses in der Wueste auf einem Gebiet etwa der Groesse 1/3 Schweiz. Wir sind mit einem 6Plaetzer auf einer Hoehe von ca 150m ins Delta hinein- und hinausgeflogen. Im Delta haben wir zehn Tage und zehn Naechte verbracht, unterwegs mit einem Mokoro (Offener Kanadier gestossen durch einen langen Ast) und einem einheimischen Guide. Gezeltet wird irgendwo auf einer der vielen Inseln im Delta, gekocht wird auf dem Feuer und gegessen wird was im Rucksack platz hat (Reis und Spaghetti und Reis), gewaschen wird im kalten (ca 15 Grad) Deltawasser neben Hippos, Schlangen und Krokodilen. Der Tag beginnt mit dem Aufgang der Sonne (ca 6.30). Im Morgenlicht fahren wir mit dem Mokoro durch Schilf, Gras und Papyrus zu einer der zahlreichen Inseln. Unterwegs treffen wir auf verschiedene Antilopen, eine unglaubliche Vogelvielfalt (der Goliath Storch ist etwa soooooooooo gross) und Hippos, welche ihr morgendliches Prusten und Mampfen veranstalten. Auf der Insel sind wir zu Fuss unterwegs. Es gelten folgende Regeln:
Hintereinander laufen, mucksmaeuschenstill sein, nicht in Loechern herumstochern
("da ansonsten das Bein getoetet wird"), bei Loewen nicht rennen (da sonst ein bischen mehr angeknabbert wird), bei Elefanten kein weisses T-Shirt tragen (haben schlechte Augen), Bueffel nur von ferne betrachten (koennen aeusserst agressiv werden, insbesondere wenn sie bei Nahaufnahmen kein Trinkgeld bekommen) und nicht auf toedliche Schlangen stehen! Die Kommunikation mit dem Guide geht etwa folgendermassen vor sich: 

Wir: "Since when das the Polers Trust (Vereinigung von Mokoro-Fahrern in Seronga) exist?" 

Guide: "Sinz Tschun"

Wir: "we mean: which year?"

Guide: "Tis ear"

Wir: "This is the first year?"

Guide: "No"

Wir (strengen uns nochmals mehr an): "longer or shorter than 5 years?"

Guide: "Yes"

Zum Glueck hat er gute Sachbuecher dabei, die bei Missverstaendnissen

aushelfen.

 

Wir wandern auf den Inseln und treffen auf eine grosse Anzahl Tiere:
Elefanten, Bueffel, verschiedene Antilopenarten (Gnu, Impala, Red Lechwy, Kudu,
Zebu, Tsassabee), Fuechse, Paviane, Affen, Warzenschweine, Zebras, Giraffen und viel zu viele Schlangen. Der Guide ist aeusserst kompetent und weiss zu allem Hintergrundinformationen. Waehrend den Game Walks herrscht immer eine grosse Spannung. Bei jedem Rascheln zuckt man zusammen. Wir tragen keinerlei Schutzmoeglichkeiten mit uns mit, weswegen unser Guide auch entsprechend auf einen Sicherheitsabstand achtet. So kommt es oft auch zu langen zickzack-Ausweichemanoevern, welche auch im Sumpf enden koennen. Einmal waren Dir zum

Beispiel von Elefanten umgeben...

die Naechte sind lang, kalt und laut. Sonnenuntergang ist um ca 18.00 und 2-3 Stunden spaeter liegt man im Bett. Es empfiehlt sich, das Zelt zu schliessen ("on last Thursday an eleven year old american boy was killed in his tent by Hyeanas in a Camp in Okavango..."). Die Geraeuschkulisse ist weit gestreut: Hippos stampfen mampfend durch das Wasser, Elefanten nehmen ihre Nachtwanderung auf, die Voegel zwitschern weiter, Grillen und Froesche stimmen in Ihr allnaechtliches Konzert ein und Maeuse fressen sich raschelnd durch unsere Plastiksaecke. In der Ferne hoert man Loewen und Bueffel bruellen. Hyaenen statten einen kurzen Besuch ab. Das staendig brennende Feuer haelt die grossen Tiere von unserem Zelt fern (aber das muss man zuerst glauben, bevor man ruhig schlafen kann). Erwaehnenswert oder besser gesagt, unterstreichen und hervorheben muss man noch, dass wir mit einer selbstgebastelten Fischerrute und unglaublich viel Geschick und Talent unser monotones Mal mit Welsen (ca 40-45cm grosse Raubfische) aufgebessert haben. Bla, bla von Jimmy.

Die neachsten Tage verbringen wir mitten in der Kalahri Wueste unterwegs mit einem 4WD (wenn alles klappt).

Gruesse an alle

Margrit und Jimmy

 

Hello my friend, hello sister (Standardbegruessung an Touristen)

Wieder sind viele Mails aus der Schweiz eingetroffen. Besten Dank. Wie wir hoerten, hattet Ihr nur einen kurzen Sommer, und ansonsten viel Regen. Da koennen wir echt mitfuehlen: wir hatten auch schon eine Viertelstunde Regen! Nach Lilongwe in Malawi fahren wir mit einem Bus an den Lake Malawi (bei Chipoka). Der 2-3 fach ueberfuellte Bus benoetigt fuer die 150 km 5 Stunden. Das Schiff, welches uns nach Nkhata Bay bringt, faehrt mit 2 Stunden Verspaetung in Chipoka ein. Nachdem wir auf dem Deck unser Zelt aufgeschlagen  haben, ertoent eine Durchsage, dass wir wegen Treibstoffmangels erst am naechsten Morgen losfahren koennen. Mitten in der Nacht rumpeln wir doch ploetzlich los. Da Jimmy die letzten Tage nicht bekommen, leidet er unter Dehydration (aber unser WC-Papier muss ja auch mal aufgebraucht werden). Im unteren Deck ist der Fisch- und Oelgestank unertraeglich und auf dem Oberdeck ist alles voll mit Russ und Karrenschmiere. Nach 30 Std treffen wir in Nkhata Bay ein

Die Schiffsreise ist jedoch dank Bewegungsfreiheit und frischer Luft wesentlich angenehmer als ein Bus fuer die gleiche Strecke.Fuer gerade 150 US nehmen wir an einem 5taegigen Naui-Tauchkurs teil. Er ist bestens organisiert und beinhaltet 6 Tauchgaenge. Nachdem sich Margrits Nase an den taeglichen Wasserschnupf gewoehnt hat, geniessen wir beide die Unterwasserwelt. Der Lake Malawi ist wie eine Mondlandschaft mit farbigen

Punkten. Ausserdem: die Fische von Malawi schwimmen auch in schweizer Aquarien.

Mit Minibus und Pannen, Bus und besoffenen Einheimischen, offenen Pickups und halbblinden? Fahrern erreichen wir die Malawische Grenze. In Mbeya (Tanzania) machen wir Halt in einer schweizer Missionsstation und wagen es nochmals einen Zug zu besteigen. Diese Strecke fuehrt uns durch einen Nationalpark, Giraffen rennen neben uns und ein Elefant trompetet den Zug wuetend an. Jimmy wird von einem Taxifahrer ueber's Ohr gehauen (-10 US), wir werden noch ein wenig Seekrank und dann erreichen wir die tanzanianische Gewuerz- und Traumferieninsel Zanzibar.

Wir mieten uns Fahrraeder und erkunden die suedliche Haelfte der Insel. Da praktisch keine Touristen mit Velos unterwegs sind, rufen ueberall die Kinder nach uns. Wir sehen die taeglich ueberschwemmten Mangrovenwaelder, die vom Aussterben bedrohten Red Colobus-Affen. Im Sueden schnorcheln wir mitten unter Herden von Delphinen. Praktisch bewegungslos schwimmen sie schneller als wir mit Flossen. Der Osten besteht aus den weltberuehmten weissen Korallenstraenden, mit Kokospalmen ueberall. Mit dem Velo koennen wir auf dem nach der Flut noch nassen Sand fahren. Bei Ebbe zieht sich das Wasser ueber einen Kilometer zurueck, und laesst Muscheln und Korallen in allen Farben liegen. Da wir mit dem Rucksack unterwegs sind, nehmen wir anstelle des ganzen nur den halben Strand mit. Wir schnorcheln und spazieren zwischen und auf den Riffen, schlitzen uns die Fuesse auf und holen uns trotz unserer braunen Haut einen Sonnenbrand. Nach einem kurzen Abstecher zu einer Gewuerzfarm, kehren wir zurueck nach Stone Town (Hauptstadt der semiautonomen Insel Zanzibar). Stone Town ist ein Labyrinth aus 2-3 Meter breiten, verwinkelten Gassen. Wir essen an der Seefront, wo in der Daemmerung unzaehlige kleine Grillstaende entstehen. Auf der Suche nach einem geeigneten Transportmittel zurueck ans Festland, treffen wir auf den etwas abgelegenen Fischerhafen. Dieser ist vom Tourismus voellig unberuehrt geblieben. Die Boote kehren gerade von der letzten Nacht zurueck. Ueberall sind Fische. Jetzt wenden wir an, was wir in Malawi gelernt haben und tauchen 2mal bei den Riffen der Murogo-Insel vor Stone

Town. Diese Insel ist nur bei Ebbe sichtbar. Noch am selben Tag kehren wir zuruech zum Fischerhafen und organisieren unsere Ueberfahrt auf einem Segel-Fischerboot. Bei gutem Wind segeln wir 5-6 Stunden ueber das Meer. Da Jimmy in der Schweiz ein paar Segelstunden hatte (bei einem ausgezeichneten Lehrer...) wird ihm die Arbeit an der Pinne zugewiesen. Navigiert wird mittels der Sterne. Ein paarmal kratzen wir die Riffe und in regelmaessigen Abstaenden wird mit einem Eimer die Bilgenpumpe simuliert. Mitten in der Nacht fahren wir in Bagamoyo ein und versuchen auf den raren Sitzbrettern des Schiffes zu schlafen. Das geht jedoch auch nur solange, bis die Ebbe das Schiff in schraeglage stranden laesst. Mit einem Luxuscar fahren wir nach Moshi, dem Ausgangspunkt einer

Kilimanjaro-Besteigung. Eigentlich wollten wir uns auf Zanzibar fuer den Kili erholen, aber irgendwie hat das nicht geklappt. Hinzu kommt noch, dass wir beide in der Nacht vor unserem Start um Toilettenrechte kaempfen. Da Margrit am Morgen ein bischen Fieber hat, beschliessen wir, unser Blut auf Malaria zu testen. Der Test ist negativ (oder wurde gar nicht untersucht...). Auf jeden Fall steht unser Start unter keinem guten Stern. der erste Tag ist ziemlich chaotisch. Unser Guide rennt den ganzen Tag dem fehlenden Material nach. Wir treffen ihn erst am Abend auf 3000m und immer noch fehlt Material...

Am naechsten Tag muss ein Traeger wieder runter rennen und das Material bis auf 4000m hochschleppen. Die Leistungen der Traeger sind unglaublich: Zelte, Food, Rucksaecke am Ruecken, auf dem Kopf oder in der Hand, garniert mit kaputten Knien, Muskelkater und Kopfweh. Aber: kein Wort des Leides. Auch wir, insbesondere Jimmy, leiden unter Kopfweh. Aber die Wanderung ist wunderschoen. Wir durchkreuzen den Regenwald, die Moorlandschaft und die Steinwueste. Jeden Abend loesen sich die Wolken auf und geben den Blick frei auf die Gletscher des Kilimanjaro. Am Abend des vierten Tages erreichen wir voellig erschoepft das letzte Camp auf 4600m. Wir haben nur wenige Stunden Zeit zur Erholung. Da der Puls auf 4600m etwa 120 Schlaege/Minute betraegt, ist es unmoeglich sich dabei zu erholen. Um 23.15 Uhr starten wir unsere letzte Etappe zum vorgesehenen Ziel. Unsere Gruppe besteht aus einem niederlaendischen (nicht hollaendisch!) Paar, unserem Guide, einem Assistenz-Guide und uns beiden. Schon bald schlaegt die Hoehenkrankheit zu. Die Niederlaenderin muss nach bereits 2 Stunden erbrechen. Wegen der vielen Stopps teilen wir uns auf: wir bekommen den Assistenz-Guide (ohne Taschenlampe) und lassen die Niederlaender zurueck. Da noch ueber 5 Stunden Aufstieg bis zur Spitze zu meistern waeren, rechnen wir nicht damit, sie nochmals weiter oben zu sehen. Nach einer weiteren Stunde rutscht Margrit aus und bleibt kraftlos am Boden liegen. Eine andere Gruppe ueberholt uns und gibt ihr Traubenzucker. Es ist viele Grade im Minus und auch Jimmy kann kaum mehr gehen. Irgendwie raffen wir uns auf und kriechen im Schneckentempo weiter. Wir ueberholen sogar ein paar Gruppen, sie ueberholen uns, Worte der Aufmunterung fallen, Personen fallen... Langsam schwindet die Nacht und wir erreichen Stella-Point (fuer Kili-Freaks:

zwischen Gillmans Point und Uhuru Peak, 5685m). Es fehlen noch 200 Hoehenmeter. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir kurz nach Sonnenaufgang mit Freudentraenen in den Augen den hoechsten Punkt von Afrika: Uhuru Peak, 5895m. Die Aussicht auf die Gletscher im Wuestensand ist ergreifend. Zurueck beim Stella-Point treffen wir unerwarteterweise auf den Rest unserer Gruppe. Er hat gerade seinen 4ten Zusammenbruch hinter sich. Sie traegt jetzt den Rucksack und draengt ihn weiter. Wir geben ihnen unsere restlichen Dextro-Energen und die Schokolade. Auch sie werden es noch schaffen. In dieser Etappe kriechen wir von 4600m auf 5900m und runter auf 3000m. In der vorherigen Etappe haben wir 1300 Hoehenmeter zurueckgelegt, und dazwischen nicht geschlafen. Mit Blasen an den Fuessen und einem Laecheln auf dem Gesicht sind wir gestern wieder in Moshi angekommen.

Fuer Interessierte: Wir haben die Machame-Route (Whiskey-Route) gewaehlt. Sie soll schwieriger aber schoener als die Standard Marangu-Route (Coca Cola-Route) sein. Aber: da man einen Tag laenger unterwegs ist (Aklimatisation), sind die Chancen, den Spitz zu erreichen groesser als auf der Marangu-Route. Dafuer uebernachtet man in Zelten und nicht in Huetten. In der letzten Nacht hatten wir wegen einer defekten Dusche im

Nachbarzimmer eine Ueberschwemmung. Das Leben geht wieder seinen gewohnten Gang.

Gruss

Margrit und Jimmy

 


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