Down under
von Thomas Oberholzer
 
Hi Guys (Teil 1)


Wie ihr seht habe ich einen ersten Internetzugang in Down Under erspaeht.
Der Flug mit Singapore Airlines war eine gute Entscheidung, denn sie haben mein Kajak anstandslos mitgefuehrt und auch sonst war der Flug ganz angenehm. (Kurz nachher haette ich wohl etwas anderes geschrieben, denn 22h auf so einem Kindersitz sind kein Schleck, auch wenn den ganzen Weg Freibier offeriert wurde.)

Verglichen mit der Schweiz ist das Wetter mit 10 bis 15 Grad
verhaeltnismaessig warm, doch haette ich schon etwas mehr erwartet, aber es
scheint sich langsam aber sicher zu bessern...

Mein Homestayfamily ist ganz nett und so war ich mit Warwick
(Familienoberhaupt) das halbe Wochenende auf der Suche nach einem fahrbaren
Untersatz (wo mein Kajak Platz hat) und wurde sogar fuendig!!! Es ist ein 12
Jahre alter Mitsubishi Sigma Kombi mit sagenhaften 300'000km. Das Ding hat
weniger Rost als mein Golf, faehrt sich immerhin noch solala. Aber fuer
umgerechnet 1500 Maeuse kann man wohl keinen Ferrari erwarten. (Hoffe nur,
dass er die 10 Wochen ohne Reparatur uebersteht!)

Nun waere ich also bereits ready fuer meine erste Kanuerfahrung. So habe ich
gestern meine Notizen und Kopien ueber Paddler in Christchurch
hervorgenommen und wenn alles klappt, bin ich uebers Wochenende in
Murchison. (Bob konnte ich noch nicht erreichen, er ist vermutlich
umgezogen. Ich habe mit einem gewissen Craig gesprochen, der aber nicht so
begeistert schien, mich mitnehmen zu muessen. Mal schauen, ob er mich
wirklich zurueckruft... )

Die Schule scheint solala, lauter frustierte Girls mit irgendwelchem
Liebeskummer. Dafuer ist die Lehrerin voll motiviert und meine drei Stunden
Englisch pro Tag dadurch schnell vorueber.
Was den Ausgang anbelangt, bin ich von Sydney wohl zu verwoehnt. Heute, an
meinem ersten Mittwoch soll ein Studenten-Treffen sein und ich bin mal
gespannt, ob da etwas Partystimmung aufkommt...

Das waers dann wohl feurs erste und ich wuensche euch eine gute Zeit.

En liebe Gruess von Down Under, Thomi

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Meine ersten Paddelerfahrungen (Teil 2)

Hi Guys 

Herzlichen Dank fuer eure News und Tips. So habe ich denn auch schon
einwenig Fuss gefasst, hier in New Zealand! Die Jungs vom Waimanui Canoe
Club haben mich tatsaechlich zurueckgerufen und wir hatten ein tolles
Wochenende in Murchison (etwa 300km nordwestlich von Christchurch). Am
Samstag paddelten wir bei herrlichstem Wetter zwei Trips auf dem Buller
(Grown- und O'Sulivans-Run oder so) und am Sonntag den Middle- und
Earthquake-Run des Watakitaki. Wir waren etwa 15 Paddler (auch einige vom
White Water Canoe Club, so z.B. Bob) und es war wirlich funny. Die Guys sind
voellig verspielt und und lassen nicht die kleinste Welle aus... (Es hatte 
natuerlich auch andere, obwohl der Wasserstand war eher
unterdurchschnittlich war.)

Zum Glueck habe ich mein eigenes Kajak mitgenommen, denn einen InAZone hatten sie bis jetzt noch nicht gesehen. Wie ich hoerte gibt es zur Zeit keinen Importeur mehr in N.Z. (Nun weiss ich immerhin, dass ich ein Auge auf mein gelbes Stueck Platik werfen muss!) Was die Bootswahl der Einheimischen anbelangt, so kam ich mir vor wie im Kanuclub Zug; Die meisten Cracks haben einen RPM und da wir etwas die Boote tauschten kam ich wieder mal in den Genuss ein Rundbodenkajak zu paddeln. (Okay, ... es geht auch. Ist etwa wie
biken mit drei Gaengen, oder?) Natuerlich kam beim Umziehen auch mein Teppich zum Zuge, was doch wieder mal einige schmunzelnde Gesichter beschehrte ...

Leider laesst mein English einiges zu wuenschen uebrig und ich verstehe nicht allzu viel, wenn sie untereinander plaudern. (Ziemlich hart fuer jemanden, der sonst eher eine grosse Klappe hat!) Speziell hart ist es, wenn alle herzhaft ueber einen Witz lachen und du hasst ihn nicht verstanden .. Ueber Weihnachten und Neujahr scheint im Murchison wirklich einiges los zu sein, denn beinahe alle Kiwis vom letzten Wochenende planen ein paar Tage dort. Es hat auch zwei nette Pups dort, die schon letzten Samstag rege benutzt wurden...

Am naechsten Wochenende paddeln die Girls und Boys vom Waimanui Club auf dem Avon River mitten durch die Stadt und halten bei jedem Pub. Vom Schwierigkeitsgrad her duerfte ich das gerade noch so schaffen, aber wie bringe ich mein ganzes Zeugs wieder nach Hause?

Mehr faellt mir zur Zeit nicht ein und somit wuensche ich euch wieder mal was,

Thomi

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Teil 3

Hi Guys

So, nun sitze ich wieder mal vor einem Geraet, dass ich auch zu recht Computer nennen darf. Erstmal vielen Dank fuer eure News, ist immer sehr interessant zu erfahren, was denn bei euch so lauft. Das Wetter scheint in den letzten drei Wochen hier deutlich besser gewesen zu sein, ...so kam es dann auch, dass rund um Murchsion zwischen Weihnachten und Neujahr der Wasserstand ziemlich tief war. Ausser auf dem Buller (Granity und Earthquake Run) gab es kaum ernst zu nehmende Alternativen, aber es machte trotzdem einen heiden Spass. Auf den Earthquake Run hatte es zwei Wellen, die einem ziemlich forderten. Wirklich surfen konnte man vor allem in der unteren nicht, aber alleine die Herausforderung, etwas darin "verweilen" zu koennen, gab genung Anlass, den Kampf aufzunehmen.

Einen Tag bin ich mit den Jungs von Christchurch gepaddelt, die restlichen Tage mit einer kleineren Gruppe von Amis, Deutschen und Schweizer (einer davon war Martin Wyss, falls ihr ihn kennt). Die Neujahrsparty war nicht schlecht; jede Menge Paddler in einem Pup versammelt und davor (weil es ja schoen warm ist hier), gab auch was her. Da  ich unterdessen einige davon kannte, gab es natuerlich einiges zu plaudern und mit dem super Bier, das die Neuseelaender brauen, musste es ja einen tollen Abend geben.

Die bisher besten Ferientage waren aber die drei danach (nach dem 1.1.) Ich war in einem super Backpackers an der Westkueste mit zwei Paddler (Bob und Barry) vom Kanuclub Christchurch. Am ersten Tag hatte es ebenfalls wenig Wasser und so sind wir einen Fluss gepaddelt (lower Toaroha), bei dem man sein Kanu angeblich 10 Minuten zur Einbootsstelle tragen muss. Schon die Hinfahrt war unglaublich, denn die sind mit ihrem Subaru Wege gefahren, wo die ganze Karre unten aufstand und alle Raeder durchdrehten (4WD), aber zu meinem Erstaunen sind wir nie stecken geblieben. Die 10 Minuten Fussmarsch mit Kanu und in voller Ausruestung waren in Wirklichkeit 50 und der Weg durch den Busch so sumpfig, dass ich eimal knietief einsank und ein Schuh stecken blieben. Da die Tevas verdammt teuer sind (aber trotzdem kaputt gehen, wie sich im Nachhinein heraustellte), habe ich ihn natuerlich ausgegraben und war nachher von oben bis unten mit Dreck beschmiert. Wenn ich im Militaer so was machen muesste, wuerde ich drei Tage Knast vorziehen. Aber so war's halt eine intessante Erfahrung. Der Bach war jedenfalls toll und so hat sich die Rackerei gelohnt.

Am naechsten Tag paddelten wir den Lower Kakapotahi und der war mit einem Schwierigkeitsgrad von III+ und einer IV+ Stelle eine happige Sache. Die meisten Abfaelle konnte man nicht einsehen und ich musste mich auf dieEnglischen Ratschlaege verlassen.  War schlussendlich ein toller Trip und es waere schoen gewesen, diesen Bach noch ein paar Mal zu paddeln. Am dritten Tag sind wir mit dem Heli zur Einstiegsstelle der Whataroa geflogen (es gibt wie bei vielen Baechen an der Westkueste keine Strasse um hochzufahren). Kosteste umgerechnet etwa 65 Franken, hat sich aber vollends ausbezahlt. Der Fluss fuehrte etwa soviel Wasser wie der Vorderrhein und es ging in einer Schlucht zwischen riesigen Felsbrocken Richtung Meer hinunter. Es hatte einige recht happige Stellen, die wir vorher alle besichtigt haben (mit einigem an Fachsimpelei). Wir waren wieder eine tolle Gruppe und der Fluss war einfach sagenhaft, ... unglaublich. (Nach mehr als 4 Stunden im Kajak war ich jedoch mausetot!) Leider konnte ich ihn kein zweites Mal paddeln, weil Bob und Barry noch ihre Frauen dabei hatten und sie es langsam satt waren, immer alleine den Tag zu verplaempern.

So bin ich nach Queenstown weitergefahren und habe einen faulen Tag gemacht. Das heisst ich bin bei super Wetter mit einem Jetboot (Motorboot mit Platz fuer 15 Leute, 700PS und Jetantrieb) ein Stueck den Shotover hochgefahren.Da ist ganz schoen was abgegangen. Weil Queenstown vor Weihnachtenueberschwemmt wurde, mussten wir bei einer Tankstelle am Weg (See-Ende) tanken. Als wir wieder losfuhren, hat der Coole Junge vergessen, das lose Seil hinten an Board zu nehmen und so hat es das Ding im Jetantrieb zermahlt. Leider gab es als Folge ziemlich boese Geraeusche aus der Mechanik und wir mussten auf ein anderes Boot warten.

Obwohl in schon fuer 5 Tage im MotorInn in Queenstown zum Voraus bezahlt habe, bin ich dann nach Cromwell, in ein Art Ferienhaus von Barry weitergefahren. Von da sind wir den auf dem Kawarau River den Sections Roaring Meg und DogLeg Run gefahren.Auf der Roaring Meg Trip gibt es eine Walze Namens Man Eater und die hat ihrem Namen alle Ehre gemacht, als sich Barry an der linken Seite vorbeischmuggeln wollte. Denn seit dem Hochwasser reicht das Loch mit respekablem Ruecklauf ueber die ganze Breite des Kawarau. So hat es dem Barry kraeftig die Kappe gewaschen. Das war aber nicht das letzte Mal an diesem Tag, denn der unterste Rapid auf dem DogLeg Run (heisst auch so), ist ebenfalls komplett veraendert und es hat nun drei beachtliche Loecher hintereinander. Barry war in jedem von denen, nachdem seine Linie voll in die Hose ging. Das mittlere ist ein Riesenteil und gluecklicherweise hat er es geschafft, zwischendurch etwas Luft zu holen (surfte mal seitwaerts mit ziemlich versteinertem Blick), bevor es ihn auf der rechten Seite hinausspuehlte. (Als Erfahrener V+ Paddler waere die Schande natuerlich perfekt gewesen, wenn er auch noch aussteigen hatte muessen!) Leider hat er jetzt etwas genung vom paddeln und mir gehen seit Weihnachten zum ersten Mal die Paddelkollegen aus, obwohl ich gerne noch den Shotover gepaddelt haette, als Abschluss auf der Suedinsel. Mal schauen, ob es nochklappt...

So, das waer's eigentlich soweit. Ich wuensche euch nachtraeglich no es guets Neus und viel Spass am Snowboarden oder so ...

Es Gruessli vom Thomi

 


Teil 4
 

An die Skifahrer und Snowboarder aus der Schweiz

Soweit ich mich erinnere, habt ihr meine letzten Zeilen aus Queenstown erhalten und ich habe es dort tatsaechlich nicht mehr geschafft, Kajakkollegen zu finden. So bin ich fuer teures Geld mit einem Schlauchboot und einem halben Paddel den Shotover heruntergetrieben. Naja, war mal etwas anderes. Nach einigen gemuetlichen Tagen, zurueck in Christchurch, habe ich mich Richtung Nordlinsel aufgemacht. Bei einem Stopp in Kaikoura wurde ich von der Hektik von hunderten von Touristen ueberrollt und es war beinahe alles auf mehrere Tage ausgebucht. Ich habe es dann doch noch geschafft, drei Wale zu Gesicht zu bekommen, was sehr eindruecklich war. Mit der Faehre zur Nordinsel verschifft, hat mich schon bald ein Plaetzchen Namens River Valley Lodge in seinen Bann gezogen. Natuerlich war ein super Bach (Ragitikei) nicht weit und ich konnte mein Kajak auf den Anhaenger der Rafts werfen und bin auch mit ihnen gepaddelt, weil ich der einzige Kajaker war (nebst dem Burschen, der die Fotos schoss). Am ersten Tag bin ich hinter ihm her gepaddelt und es war soweit alles paletti, nur war es halt etwas hektisch, weil er immer wieder die Rafts ueberholen musste. Am zweiten haben ich meine Linie selber gesucht, denn ich wollte ja auch Fotos von mir.

Schnell einmal musste ich einsehen, dass nicht ueberall wo ein Raft durchschlittert auch eine angenehme Linie fuer einen Kajaker ist. Da es wieder mal sehr wenig Wasser hatte, blieben die Rafts auch des oefteren stecken, was nicht ganz unproblemmatisch ist, wenn man ihnen folgt (oder sich zwischen zweien befindet). Fuer die Fotos habe ich mich selbstverstaendlich voll ins Zeug gelegt. Leider wollte ich etwas zu viel und musste anschliessend einiges einstecken. Sogar der InaZone kam eine Beule ab. Der Kunstoff scheint aber selbstheilend und sie ist schon kaum mehr zu sehen. Am Tage drei und vier habe ich mich wieder mehr auf eine saubere Linie konzentiert und etwas Slalomerfahrung waere sehr von nuetzen gewesen, denn der Wasserstand erreichte einen "rockige" Stand. Nun hoffe ich natuerlich, dass ich die Fotos in einigen Wochen auch tatsaechlich zugeschickt bekomme. Das schoene Wetter und die sehr niedrigen Wasserstaende sind mir auch in Taupo und hier in Rotorua treu geblieben. So war das Full James Playhole noch eine schlaffe Welle und der Tutea Waterfall auf dem Kaituna ein Rinnsal.

So beende ich meine Paddelerfahrungen hier in NZL also ohne mich einen beruehmten Wasserfall hintuntergestuertzt oder in einem groben Playhole gespielt zu haben. Aber es war auch so ein Genuss der Extraklasse!!!

Nun mache ich mir noch einige gemuetliche Tage bevor es dann am 6. von Auckland zurueck in den Winter geht. (Kaum vorstellbar, wenn man mit den Short beinahe noch zu heiss hat!)

Ich wuensche euch eine gute Zeit und hoffentlich bis bald,

es liebs Gruessli vom Thom


 für weitere Räubergschichte